Robbie ein Flatcoat zum Verlieben

Das erste Jahr

Hundewelpen wachsen sehr schnell. Bereits nach einem halben Jahr hatte Robbie seine Größe und das Körpergewicht im Vergleich zu seiner Ankunft bei uns mehr als verdoppelt. Uns kam es so vor, als würden wir Geschirr und Halsband im wöchentlichen Rhythmus verlängern oder durch größere ersetzen. Bald hatte der Hund so lange Beine, dass wir seinen Napf auf ein Bänkchen setzen mussten, damit er sich beim Fressen und Trinken nicht unnötig zum Boden ducken brauchte.

Nach und nach verlor er seine kleinen spitzen Welpenzähne. Leider geschah dies immer nur unbemerkt, in einem Fall konnten wir jedoch ein kleines Souvenir retten. Während dieser Zeit kaute Robbie besonders gern auf alten Handtüchern herum. Die neuen Zähne waren groß, weiß und wirklich beeindruckend.

In diesen Monaten machten wir lange Spaziergänge über die Felder hinter unserem Haus und trafen dabei auch viele andere Tiere: Kühe, Schafe und Pferde. Sie kamen häufig zu uns an den Zaun getrabt und beäugten den neugierigen kleinen Hund, der so aussah, als ob er am liebsten mit ihnen auf der Weide herumgestreunt wäre. (So mutig war er allerdings dann doch nicht.)

Retriever sind begeisterte Schwimmer. So packten wir den Hund bald zu einer Badetour ins Auto und warteten gespannt darauf, dass er sich beim nahegelegenen See in die kühlen Fluten stürzen würde. Weit gefehlt! Robbie machte nur zaghafte Versuche, sich die Pfoten etwas zu befeuchten. In der Annahme, ein kleiner Anreiz könnte nicht schaden, warfen wir sein Lieblingsspielzeug ins Wasser. Darauf ernteten wir nur mitleiderregendes Gejaule. Auch ein kleiner Schubs half nicht. Robbie sah zu, dass er so schnell wie möglich Land gewann. Hatten wir womöglich den ersten wasserscheuen Retriever der Welt aufgegabelt??? Der Sommer war aber noch lang und wir ließen nicht locker. An den Wasserstellen trafen wir häufig andere Hunde, die mit dem nassen Element längst keine Probleme mehr hatten. Wurde ein Ball oder Stöckchen geworfen, stürzten sich alle Vierbeiner todesmutig in die Fluten. Irgendwann vergaß auch Robbie alle Vorsicht, jagte seinem Ball hinterher, verlor den Boden unter den Füßen --- und schwamm zu seinem Spielzeug hin. Er kam zwar gleich wieder raus aus dem Wasser aber der Bann war gebrochen und der Hund hatte seine bis heute liebste Freizeitbeschäftigung entdeckt: das Schwimmen.

Neben den schon in der Welpenschule bereits erlernten Kommandos entdeckten wir einige weitere eher zufällig. Robbie war einmal etwas voraus gelaufen, als plötzlich ein Auto um die Ecke bog. Ganz erschrocken schrie ich STOP! Der Hund blieb wie angewurzelt stehen. Dieses Stop benutzen wir von da an jedes Mal, wenn der Hund dringend stehen bleiben sollte. Ein anderes Kommando war GIB LAUT (die Hand macht dabei eine "bellende" Geste). Das kam so: Robbie traute sich in unserem neuen Haus nicht die Treppe herunter. Mit seinem Spielzeug auf einer entfernteren Stufe versuchten wir, ihn zu überreden. Darauf senkte er aufgeregt den Kopf zwischen die Vorderpfoten und fing wild zu bellen an. Als wir merkten, dass er das jedes Mal machte, reagierten wir auf das Bellen mit FEIN, GIB LAUT und machten die entsprechende Handbewegung.

Es dauerte nicht lange, da bellte Robbie auch, wenn man ihm ein Leckerchen zeigte, das Kommando GIB LAUT gab und mit der Hand die richtige Bewegung machte.

Der Flat-Coated Retriever ist ein sehr gelehriger Hund mit einem so genannten "Good-will". Er möchte es seinem Besitzer unbedingt recht machen und passt genau auf, was man von ihm erwartet. Wir reden viel mit unserem Hund und benutzen dabei immer die gleichen Redewendungen. Wir konnten schnell feststellen, dass der Hund die Sätze richtig interpretiert, wenn man sie immer wieder verwendet. DU BLEIBST HIER oder DU KOMMST MIT und auch PASS AUF oder WO IST DER PAPA? lösen bei ihm immer die richtige Reaktion aus. Der Hund versteht uns!

Robbie hasst aber lautes Diskutieren oder lautes Schreien. Völlig verstört findet man ihn zum Beispiel nach heftigeren Wortwechseln ganz hinten im Garten. Er braucht dann regelrecht Trost und ein paar nette Worte, damit er sich wieder beruhigt. Obwohl der Hund groß und ungestüm erscheint, bewegt er sich vorsichtig zwischen den Möbeln und Pflanzen im Zimmer und hat noch nie etwas umgeworfen.

Wenn der Hund seine erste Sturm- und Drangzeit überstanden hat, ist er auch für andere wichtige Regeln zugänglich. Er sollte zum Beispiel nie ohne Aufforderung aus dem Haus oder aus dem Auto springen. Dazu benutzen wir das Wort WARTE. In den Hundeschulen wird dazu BLEIB gelehrt. Da WARTE besser in unsere Sätze passte, hat es sich bei uns so eingebürgert. WARTE benutzen wir auch vor der Überquerung der Strasse. Anfangs muss der Hund natürlich zusätzlich festgehalten werden, damit er auch tatsächlich wartet. Heute brauchen wir nur noch das Kommando und der Hund bleibt von allein stehen und wartet. Mit OK (unser Auflösungswort) geht es dann weiter.

Ein gutes Spiel um NEIN zu lernen: Man lässt den Hund Platz machen. Dann legt man ihm ein Leckerchen vor die Nase (zunächst in der geschlossenen Faust oder mit der Hand abgedeckt, sonst hält der Hund sich nicht daran). Das Kommando ist ein scharfes NEIN. Der Hund darf das Leckerchen nicht nehmen! Mit OK darf der Hund das Leckerchen fressen. Wieder ein Leckerchen hinlegen. NEIN! Dann das Kommando OK! Mehrfach wiederholen, bis das Leckerchen offen hingelegt werden kann, ohne das der Hund drangeht. Das ist ein ganz dickes Lob wert!

Wenn man eines Tages die Wohnungstür oder die Heckklappe versehentlich auflässt und nicht das Kommando OK gibt und der Hund bleibt in der Wohnung oder im Auto sitzen, dann ist das ein tolles Erfolgserlebnis und schützt den Hund vor Unfällen! Wenn der Hund unterwegs etwas Undefinierbares findet und fressen will, kann ein gelerntes NEIN womöglich lebensrettend sein (Giftköder!).

Auch der längste Sommer hat irgendwann ein Ende. Schon bald entdeckt man, dass Hunde auch bei Sauwetter und an dunklen Winternachmittagen vor die Tür wollen und nie Gummistiefel anziehen. Am Besten schafft man sich beizeiten regenfeste Kleidung und Schuhe an. In einer Hand den Schirm, in der anderen die Leine, das macht nicht besonders viel Spaß! Am Ende des Ausfluges kann sich derjenige glücklich schätzen, der eine Garage oder einen großen Hausflur hat, um den größten Dreck von den Hundepfoten zu putzen, bevor die Wohnung betreten wird. Wir haben dazu immer schon am Eingang ein Handtuch bereitliegen. Ansonsten sind Besen, Wischmop und Kleiderbürste unserer wertvollsten Helfer. Mit einem Hund im Haus muss man gelegentlich auch mal alle Fünf gerade sein lassen, sonst kommt man aus dem Putzen nicht mehr heraus.

 

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