Robbie ein Flatcoat zum Verlieben

Die ersten Wochen

Die ersten Wochen gingen wie im Flug vorbei. Es gibt nichts Witzigeres, Aufregenderes als die erste Zeit, die man mit einem Welpen verbringt! Mit seiner kleinen Knopfnase, den großen neugierigen Augen, den dicken Pfoten und kurzen Beinchen und mit seinem weichen Kuschelfell hatte Robbie in kurzer Zeit das Herz der ganzen Familie und von allen Nachbarn erobert. So einem niedlichen kleinen Burschen lässt man gern so manches durchgehen. Trotzdem gilt die wichtige Regel, einem Welpen niemals etwas zu erlauben, was er nicht auch als erwachsener Hund tun darf. Auch wenn es schwer fällt!

Ganz oben auf dem Plan stand zunächst die Sauberkeitserziehung. Der kleine Hund erleichterte sich überall, wo es ihm gerade einfiel. Tagsüber hielten wir uns daher bevorzugt im Garten auf und kommentierten die ersten Pipiversuche auf der Wiese mit großer Begeisterung: FEIN PIPI.  Abends zum Schlafengehen wurde Robbie in die große Hundekiste direkt neben unserem Bett eingesperrt. Das Gittertürchen schloss sich hinter dem "Gefangenen". Mir tat der kleine Kerl richtig leid, aber wir wussten, dass wir damit den besten Erfolg haben würden. Neben der weichen Decke und etlichen Kuscheltieren wurde zum Trost auch die Zuhausedecke in das Gefängnis gelegt. Auf das klägliche Geheul haben wir nur mit ein paar beruhigenden Worten reagiert, bis er dann endlich eingeschlafen war. Mitten in der Nacht kam der erwartete Protest. Der kleine Welpe machte uns mit Fiepen und Jammern schnell klar, dass seine Blase voll war. Wir hatten gelesen, dass ein Hund niemals das eigene Nest beschmutzt, ohne sich vorher nicht eindringlich bemerkbar zu machen. Da Robbie die Kiste nicht heimlich verlassen konnte, um sich in der nächsten Zimmerecke zu erleichtern, war er gezwungen, sich rechtzeitig zu melden. Also trabten wir Nacht für Nacht mit dem warmen Hundekörper auf dem Arm die Treppe hinunter in den Garten, wo wir zitternd vor Kälte auf der Terrasse standen und dem Kleinen aufmunternd MACH MAL PIPI zuflüsterten. Noch ein FEIN PIPI, wenn es geschafft war und dann schnell ins Bett bzw. in die Hundekiste zurück. (Wenn uns da draußen einer gesehen oder gehört hätte!)
Schon bald wurden die nächtlichen Störungen seltener und hörten irgendwann ganz auf. Dann konnten wir es sogar wagen, die Hundekiste offen zu lassen, so dass Robbie sich selbst aussuchen konnte, ob er lieber drinnen oder draußen schlafen wollte.

Wir hatten uns tolle lange Spaziergänge mit unserem Hund immer gewünscht. Also: Halsband umgelegt, Leine angelegt und los geht’s!
Nach wenigen Schritten legte sich das Hundebaby ins Gras und war zu Tode erschöpft. Es dauerte auf diese Weise ewig, bis wir das Ziel – ein Baum in 500 Meter Entfernung – erreicht hatten. Schneller ging es dann ohne Leine. In großer Eile, den Anschluss nicht zu verpassen und seine neuen Menscheneltern zu verlieren, sauste Robbie hinter uns her und zeigte auf einmal keine Spur von Müdigkeit. Da man es bei den kleinen Hunden nicht übertreiben darf, steigerten wir die Spaziergangdauer von Tag zu Tag, bis wir endlich eine ganz passable Runde geschafft hatten. Die empfindlichen Gelenke eines jungen Hundes vertragen Treppensteigen nicht besonders gut. Daher haben wir Robbie in den ersten Monaten die Treppe rauf und runter getragen, bis sein Körpergewicht das schließlich unmöglich machte.

Nach dem Spazierengehen war immer eine Weile Ruhe. Mit zuckenden Pfoten von dem Ausflug träumend lag der Welpe auf seiner Decke und schlief. Aber schon bald war er wieder putzmunter, schleppte sein Spielzeug herbei und quengelte herum, bis jemand sich erbarmte und mit ihm spielte. Anfangs wurden auch mal achtlos herumstehende Schuhe entführt und zerkaut, dass legte sich aber bald (weil nämlich keine Schuhe mehr herumstanden). In dieser ersten Zeit sollte man sich sowieso mal auf die Knie begeben und die Zimmer aus Welpensicht betrachten, damit der Welpe durch das Anknabbern von Kabeln und Verschlucken von Gegenständen nicht unnötig in Gefahr gerät.

Welpen haben unglaublich spitze kleine Zähne. Das merkt man sehr schnell an den eigenen Händen. Der Hund muss auch erst lernen, einen Unterschied zwischen der menschlichen Hand und seinem Spielzeug festzustellen. Tu dir also keinen Zwang an: ein lautes erschrockenes AU!, und schon lässt der Hund locker. Da er dir ja nicht wehtun will, merkt er sich schnell, dass sein Zubeißen für seinen geliebten Menschen schmerzliche Folgen hat.

Wir haben immer viel mit Robbie "gesprochen". Die immer gleich lautenden Sätze oder Wörter und die dazu passenden Bewegungen, am Anfang etwas übertrieben ausgeführt, werden vom Hund begeistert aufgeschnappt und schnell gelernt. Robbie kannte schon nach den ersten Wochen mühelos die Bedeutung von FEIN, MACH MAL PIPI, KOMM und BALL.

Jeder Besucher wurde von unserem Hund begeistert begrüßt. Das beruhte stets auf Gegenseitigkeit, denn viele waren ja eigens dazu herbei gekommen, unser neues Familienmitglied zu besichtigen. Allerdings bezog Robbie dann auch diese Begeisterung auf jeden entgegenkommenden Spaziergänger auf unseren Wegen und das konnte schnell ziemlich lästig werden. Wir kamen kaum voran, denn es gab sofort einen Freudentanz um jeden Entgegenkommenden. Glücklicherweise hatte fast jeder großes Verständnis für den niedlichen kleinen Hund und diese Angewohnheit verflüchtigte sich im Laufe der Wochen ganz von alleine.

Robbie musste auch sehr bald üben, für ein paar Stunden allein zu bleiben. Es ist gut, wenn man sich die ersten Wochen Urlaub nehmen kann, da der Welpe noch unter der Trennung von Mutter und Geschwister leidet und ein jämmerliches Theater macht, sobald man das Haus ohne ihn verlassen will. Irgendwann muss es dann aber sein. Mithilfe eines Hundesitters, der in unserer Abwesenheit nach Robbie sah, konnten wir unsere Abwesenheit stundenweise steigern. Ab Mittags waren die ersten aus der Familie wieder zuhause. Für den normal berufstätigen Menschen ist das gar nicht anders zu regeln. Einige Stunden kann ein Hund, wenn anschließend für entsprechenden Ausgleich gesorgt wird, durchaus alleine bleiben. Wer aber lange arbeitet und nach der Arbeit noch regelmäßig Stadtbummel oder Besuche machen will, sollte sich gar keinen Hund anschaffen oder muss für Ersatzbetreuung sorgen, sonst kann der Hund einem wirklich nur leid tun.

Wir haben uns von Anfang an darauf eingestellt, den Hund möglichst überall hin mitzunehmen. Das geht natürlich nicht immer, aber ist mit gutem Willen doch öfter möglich, als man glaubt! Ein Kind lässt man doch auch nicht dauernd allein zuhause zurück, oder?

Wenn wir aus dem Haus gingen und der Hund durfte mit, sagten wir jedes Mal mit Betonung: ROBBIE KOMMST DU MIT? Wenn der Hund zuhause bleiben musste, war der richtige Satz: ROBBIE DU BLEIBST HIER! Das führte dazu, dass beim Zauberwort "mit" Freudentänze aufgeführt wurden und beim Zauberwort "hier" der Hund noch nicht mal bis an die Tür kam. Man durfte natürlich nicht sagen: ROBBIE DU KANNST NICHT MIT! Das hätte zu Missverständnissen geführt.

Robbie hatte eine Zeitlang eine ziemlich unappetitliche Angewohnheit: Er fraß unterwegs gern frische Kackwürste. Dabei machte er zwischen den eigenen und fremden kaum Unterschiede. Es wird von den Fachleuten eine Vielzahl von Gründen dafür angegeben und eine genauso große Anzahl von Möglichkeiten zur Abhilfe. Ob so was hilft, haben wir nie herausgefunden, die Phase ging glücklicherweise von ganz allein vorbei.

Irgendwann war dann auch mal Zeit für das erste Vollbad. Eine große Begeisterung dafür haben wir zwar nicht vorausgesetzt, aber Robbies Beinchen zitterten vor Angst doch ganz erbärmlich. Wir haben das nicht allzu oft wiederholt. Es gibt selbstverständlich gute Welpen-Shampoos (von Menschenshampoo würde ich unbedingt abraten) und anschließend sollte man den Hund gut abtrocknen und warm halten. Viel angenehmer ist es natürlich, wenn der Hund irgendwann freiwillig in sauberes Wasser zum Schwimmen steigt, dann wird das Fell von ganz allein duftig und frisch.

Auch an das Bürsten seines Fells muss der Welpe sich erst gewöhnen, obwohl das Baby-Fell eines Flats eigentlich wenig Pflege benötigt. Robbie sprang zunächst hin und her und versuchte, die Bürste zu packen. Erst mit der Zeit lernte er, wie angenehm diese Behandlung sich anfühlt und hielt dann auch still.

Da der erwachsene Flat-Coated Retriever feine Härchen, so genannte Federn an den Beinen, am Schwanz und an den Ohren hat, sieht er nach dem Bürsten immer wie ein richtiger Filmstar aus.
 

 

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