Robbie ein Flatcoat zum Verlieben

Sozialverhalten

Die wichtigsten Ursachen dafür, ob man eines Tages einen Traumhund oder einen schlecht erzogenen, möglicherweise auch gefährlichen Hund besitzt, liegen darin, ob man sich ausreichend über Hundeerziehung informiert hat und dies ebenso konsequent umsetzen kann. Viele Schwierigkeiten lassen sich so von vorneherein vermeiden, andere immerhin korrigieren, denn nur ein braver, integrierter Hund ist auch ein glücklicher Hund. Es lohnt sich also, sich rechtzeitig Gedanken darüber zu machen.

Wir haben uns häufig die Frage gestellt, warum es Hunde gibt, die zu jedermann freundlich sind, keine Probleme mit anderen Hunden haben und sogar Katzen mögen, und dann andere Hunde, die der Besitzer mit Mühe und Not festhält, die jeden entgegenkommenden Spaziergänger und vor allem ihre Artgenossen anknurren und sich so völlig daneben benehmen, dass man sich mit Recht nicht traut, sie mal von der Leine zu lassen. So treffen wir bei Spaziergängen häufig einen älteren Mann mit einem kleineren Hund. Der Besitzer bleibt jedes Mal wie angewachsen stehen, sobald wir uns mit Robbie nähern und zieht dabei kräftig an der Leine. Der kleine Hund fängt auch jedes Mal wieder an zu knurren und lässt den Größeren nicht herankommen. Kein Wunder: Das Verhalten seines Besitzers interpretiert der Kleine automatisch als Warnung: Da kommt jemand. Diese Situation ist gefährlich! Vor lauter Angst knurrt der Kleine, um seine Herrchen zu beschützen. Wer weiß, ob er unseren nicht sogar anfallen würde.

Kein Wunder, dass dieser Hund kein vernünftiges Sozialverhalten aufbauen kann. So ein Hund ist eigentlich eine ganz arme Socke. Ein solcher Hund knurrt bald jeden Fremden an und gilt in seiner Umgebung schnell als böse oder gefährlich. Durch sein abstoßendes Benehmen wird er bei jedem Besuch weggesperrt, keiner begrüßt ihn mehr freundlich und er darf wahrscheinlich nirgendwo mit hin. Wir waren uns bewusst, dass wir unserem Hund die besten Möglichkeiten bieten wollten und daher war es klar, dass er von klein an regen Kontakt zu anderen Hunden, anderen Tieren, und vielen großen und kleinen Menschen aufbauen durfte. Unser Hund ist heute ein in der Nachbarschaft, vor allem bei den Kindern, sehr beliebter Hund, verträgt sich mit den zehn Nachbarkatzen so gut, dass die Samtpfoten teilweise in unserem Haus herumstreunen und aus seinem Napf fressen, und vor allem läuft er auf den Feldern den Kaninchen nicht wie ein Verrückter hinterher. Mag sein, dass wir hierbei nur Glück gehabt sein, wir glauben aber, dass dies vor allem auf seinen tollen Erfahrungen im Umgang mit Zwei- und Vierbeinern beruht.

Seine Menschenfreundlichkeit hindert Robbie allerdings nicht daran, bei irgendeiner verdächtige Bewegung oder einem fremdartigen Geräusch in unserem Garten sofort anzuschlagen. Er eignet sich jedoch nur bedingt als Wachhund. Wir vermuten nämlich, dass er den Einbrecher mit dem Diebesgut und Tafelsilber genauso freundlich hinausbegleiten würde.

Robbie hatte übrigens das Glück, dass wir zu der Zeit, als er noch ein junger Hund war, einige Wochen Katzenbesuch hatten. Die Katze hatte auch noch keine schlechte Erfahrung mit Hunden gemacht und duldete es nach einer Eingewöhnungsphase sogar, dass Robbie ihren Hinterkopf und die Ohren begeistert abschleckte. Wenn es ihr zu bunt wurde, reichte ein kurzes Fauchen, Robbie schreckte zurück, und dann verzog sich die Katze zu einem erhöhten Platz, wo der Hund nicht hinreichen konnte. Robbie weiß daher, dass Katzen fauchen oder kratzen, wenn sie nicht wollen und dass man sich am besten ganz vorsichtig und ruhig nähern muss, weil sie sonst wegrennen. Daher jagt er ihnen auch draußen nicht hinterher, wenn er ihnen zufällig begegnet, er bleibt sogar häufig wie angewurzelt stehen und sie belohnen das, indem sie ihn auf wenige Zentimeter an sich heranlassen.

Weiterhin haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein gut erzogener Hund auch ein beliebter Hund ist, dem man freundlich entgegenkommt, und der dadurch positiv bestärkt wird. Die wichtigsten Befehle wie SITZ! und PLATZ! sowie NEIN! müssen unbedingt sitzen. Auf keinen Fall sollte der Hund sich angewöhnen, vor Freude an Menschen hochspringen. Das dürfte vor allem bei den kleinen Zweibeinern fatale Folgen haben! Also erlauben wir das auch niemals bei uns. Von klein auf haben wir uns demonstrativ umgedreht, wenn Robbie uns ansprang (Ignorieren von unerwünschtem Verhalten) oder das Knie nach vorne gestreckt, so dass der Brustkorb des Hundes recht unsanft mit der spitzen Kniescheibe zusammenstieß (autsch!).

Es ist für den Hund immens wichtig, wenn er sich sicher sein kann, dass sein Herrchen (oder Frauchen) die Chefrolle innehat. Es verdirbt den Charakter des Hundes, wenn er sich einbildet, der Chef im Rudel zu sein. Als Chef hat man immer den Stress, auf die Familie aufpassen zu müssen, Feinde fernzuhalten und Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Besucher werden misstrauisch empfangen oder sogar verjagt und Artgenossen könnten Futter stehlen oder den Rang streitig machen wollen. Wenn dem Hund von klein auf klar gemacht wird, dass der Besitzer der Chef ist, kann er sich in Ruhe unterordnen, braucht kein Dominanzverhalten zu zeigen und kann sich mit Recht sicher fühlen.

Wie mache ich dem Hund klar, dass ich der Chef bin? Als Chef verwalte ich das Spielzeug (siehe Kapitel Spielzeug), das Futter und die Leckerchen, fasse dem Hund an alle Körperteile, nehme meine Mahlzeiten zuerst ein und liege allein in meinem Bett an höchster Stelle. Ich darf dem Hund mitten in der Mahlzeit den Napf wegnehmen, ich leine an oder ab und ich gebe die Kommandos. Das bedeutet sogar, dass ich den auch mal Hund wegschicke, wenn er mit einem Spielzeug kommt und spielen will. Mindestens aber beende ich jedes Spiel und warte nicht, bis der Hund keine Lust mehr dazu hat! Das klingt vielleicht grausam und man muss es vielleicht nicht immer so hundertprozentig durchziehen, aber genauso geht es und ebenso macht es der Rudelführer mit seiner Meute. Ich mache dem Hund aber nicht klar, dass ich der Chef bin, indem ich ihn anbrülle, wenn er etwas falsch gemacht hat, ihn einschüchtere, oder ihn ständig ignoriere und wegjage. Diese "Sprache" kann der Hund nicht verstehen und er wird sich, wahrscheinlich erfolglos, bemühen, es richtig zu machen.

Robbie hörte mal eine Weile nicht mehr so gut auf unsere Tochter. Wenn sie ihn draußen ableinte, ließ er sich kaum zurückpfeifen und musste manchmal regelrecht eingefangen werden. Daraufhin führten wir die Regel ein, dass sie eine Weile lang den Hund am Abend fütterte. Manchmal gab ich seine Leckerchen erst mit übertriebenem Getue meiner Tochter, die sie dann nach einer Weile an Robbie weiterreichte, dem inzwischen schon der Speichel aus dem Mund tropfte. Nach einer Weile hatte der Hund es verstanden.

Viele Leute stören sich daran, wenn Hunde bei Tisch betteln. Wir wollen das auch nicht dulden, finden es andererseits aber auch nicht schlimm, dem Hund hin und wieder ein paar Happen anzubieten, sofern unser Essen auch für Hunde geeignet ist. Trotzdem bettelt unser Hund nicht bei Tisch, sondern bleibt ganz brav neben einem der Stühle liegen. Wie wir das erreicht haben? Ganz einfach. Wir waren uns von Anfang an einig, dem Hund wirklich niemals etwas zu geben, wenn er bei unseren Mahlzeiten bettelndes Verhalten, dass heißt vor uns sitzend, mit Schnauze nach vorne geschoben und flehendem Blick, zeigt. Er bekam nur etwas, wenn er ganz ruhig dabei lag und anscheinend kaum damit rechnete, oder wenn wir ihn eigens dazu herbeiriefen. Robbie machte also langfristig und stetig die Erfahrung, dass er am ehesten etwas bekommt, wenn er ruhig dabei liegt (PLATZ!) oder wenn er erst herbeigerufen wird. Unsere Besucher staunen dann immer, dass der Hund scheinbar so gelassen bleibt, wenn gegessen wird.

Gleiches gilt natürlich auch bei allen auswärtigen Essenseinladungen und im Restaurant, wenn der Hund dabei ist. Ein paar Leckerchen in der Tasche, die zum geeigneten Zeitpunkt ausgeteilt werden, und der Hund liegt lammfromm unter dem Tisch und rührt sich nicht.
 

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